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Krankenkassen melden Milliardendefizit

11 Aug 2021
Die Krankenkassen schreiben rote Zahlen.

Augenfällig ist der Ausgabenanstieg im zweiten Quartal 2021. Die Kassen nennen einen Grund.

Die Lage der gesetzlichen Krankenkassen verschlechtert sich wieder. Nachdem das Defizit im ersten Quartal noch geringer ausgefallen war als befürchtet – einige Versicherungen hatten sogar Überschüsse gemeldet – übersteigen die Ausgaben die Einnahmen jetzt wieder deutlich. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen melden für das erste Halbjahr ein Defizit von 1,6 Milliarden Euro. In den ersten sechs Monaten 2020 hatte der AOK-Verbund noch einen Überschuss von 320 Millionen Euro erwirtschaftet.

Augenfällig ist der Ausgabenanstieg im zweiten Quartal 2021, er betrug knapp 10 Prozent. Der AOK-Bundesverband erklärt das damit, dass zu Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr in vielen Feldern weniger Leistungen in Anspruch genommen worden seien. So gingen die Versicherten aus Furcht vor Ansteckung weniger zum Arzt, zu Therapeuten oder in Rehakliniken. Auch die Krankenhäuser fuhren ihre Aufnahme „normaler“ Patienten zurück, um Platz für Covid-19-Fälle zu schaffen.

„Nachdem sich der Rückgang von Behandlungen und Operationen im ersten Quartal noch positiv auf die Finanzergebnisse ausgewirkt hat, kehrt sich dieser Trend nun wieder um“, sagt Jens Martin Hoyer, der stellvertretende Verbandsvorsitzende. Im Vergleich zum Vorjahresquartal habe sich das sogenannte Leistungsgeschehen normalisiert, was die Ausgaben der Kassen in die Höhe trieb. „Die aktuellen Ergebnisse bestätigen unsere Befürchtungen für das Jahr 2022: Auch im zweiten Halbjahr 2021 ist keine Entlastung im Hinblick auf das zu erwartende strukturelle Defizit der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im kommenden Jahr zu erwarten“, sagt Hoyer.

Da sich für die zweite Jahreshälfte eine weitere Kostensteigerung abzeichne, rechnet die AOK-Gemeinschaft bis Jahresende mit einem Defizit von weit mehr als vier Milliarden Euro. Auch andere Effekte schlügen sich negativ nieder, etwa die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel. Hinzu komme, „dass die Vertreter der Ärzteschaft und der Krankenhäuser in den aktuell laufenden Vergütungsverhandlungen mit zusätzlichen Forderungen in Milliardenhöhe winken“, kritisiert Hoyer.

Selbst ohne solche Zusatzbelastungen wachse der Unterschied zwischen Einnahmen und Ausgaben aufgrund teurer Gesetze so stark, dass der bereits um 7 auf 21,5 Milliarden Euro erhöhte Bundeszuschuss 2022 nicht ausreichen werde. Die Regierung müsse noch vor der Wahl einen weiteren zusätzlichen Zuschuss auf den Weg bringen, fordert Hoyer. „Ansonsten drohen spätestens zum Jahreswechsel Beitragssatzanhebungen auf breiter Front.“

Schlechtere Zahlen melden auch die anderen Verbände. Hatten die Innungskrankenkassen (IKK) im ersten Halbjahr 2020 noch 46 Millionen Euro Überschuss erzielt, ist diesmal ein negatives Ergebnis von 25,4 Millionen entstanden. „Demnach haben sich die Befürchtungen nach dem positiven ersten Quartal mit plus 49,2 Millionen Euro bestätigt“, schreibt der IKK-Verband. Da die Politik einen weiteren Lockdown ausgeschlossen habe, der in der Vergangenheit zu sinkenden Kassenkosten führte, werde der Ausgabenanstieg weitergehen.

Bei der kleinen Knappschaft, die vor einem Jahr als einzige Kassenart ein Defizit ausgewiesen hatte, sieht die Entwicklung besser aus. Sie weist jetzt einen Fehlbetrag von 18 Millionen statt 50 Millionen Euro aus. „Insgesamt entwickelt sich die Finanzsituation derzeit leicht günstiger als vor Jahresbeginn prognostiziert“, sagt Verbandsgeschäftsführerin Bettina am Orde.

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